Sequoias Memo zur Youtubeinvestition was Startups & Business Developer davon lernen können

Es ist extrem schwierig einen direkten Einblick in den Entscheidungsprozess von VCs zu bekommen, außer man ist ein VC. Eines der ganz wenigen öffentlich zugänglichen Dokumente ist das Investmentmemo von Botha Roelof für Youtube in 2005 was ich dank Miles Grimshaw gefunden habe. Eine hervorragende Gelegenheit einen Einblick in das Innenleben eines Venture Capitalisten zu bekommen und diverse Start-up Weißheiten (auch aus Vorträgen, Blogs und Coaching) zu überprüfen.

Das vorliegende Investment Memo in Youtube als Startup

Das Memo ist Teil einer Dokumentation eines Gerichtsprozesses. Richtig interessant wird es ab Seite 16. Dort ist das Originalemail an die Partner abgebildet. Das Memo und seine Argumentationsstruktur ist für sich eine Analyse wert. Interessant, wie er die Diskussion unter den Partnern lenkt und Punkte festlegt.

Hier beschränke ich mich (vorerst) auf interessante Punkte für Gründer und was sie aus dem Fall für ihr Startup lernen können.

Makrotrend als Argument für das Geschäftsmodell des Startups

Interessant ist, dass Roelof in genau drei Absätzen mit genau neun Zeilen eine einfache These aufstellt und entwickelt, warum Youtube eine gute Investition ist. Diese einfache These basiert auf der logischen Weiterentwicklung eines allgemeinen Trends.

Die Grundannahme ist, dass Youtube die erste Adresse für user-generierte Videoinhalte werden könnte.

Im Rest der Einleitung entwickelt er die These ganz einfach weiter, in dem er das Modell abklopft. Die angesprochenen Punkte sind:

  • Einfacher Service, der auf mehreren Standbeinenbeinen (several strong veins) steht
  • Natürliche Distribution & Netzwerkeffekt durch die Embedfunktion
  • gutes Team

 

Interessant ist, dass der Autor darüber hinaus keinen Bedarf sieht, die Punkte weiter auszuformulieren oder seine Annahmen zu verteidigen. Aus heutiger Sicht wirkt die Argumentation völlig logisch, aber 2005 also vor ca. 10 Jahren, waren es eben hauptsächlich Annahmen und Video im Web weitgehendste eine Unbekannte.

Vielleicht wurde dieser große Trend bereits innerhalb von Sequoia identifiziert, um hier so kurz argumentieren zu können. Aber auch ohne diese Annahme, ist es dennoch eine einfach These und Argumentation, die sich interessanterweise weniger mit der Firma selber, sondern mit mit Makrovariablen beschäftigt.

Dies ist genau die Herangehensweise, die Iceventure bei Geschäftsfeldentwicklungen oder Start-up Geschäftsmodellen anwendet. Die sich selbst verstärkenden Punkte sind ein globaler Makrotrend, mehrere Ansätze, daran zu partizipieren und eventueller Verstärker/Alleinstellungsmerkmal. Es kann also nicht schaden solche Punkte im eigenen Geschäftsmodell zu identifizieren, da jeder Punkt selber ein Ansatz für das Business Modell und Business Development ist.

Der vorgeschlagene Deal – der billig Start-up Mythos

RFB kommt direkt auf den Punkt: $1 Millionen in der Seed Stage. Wenn einige Milestones getroffen werden, folgt eine Series A mit ca. 30% Anteil nach dem Series A Investment.
Zwei Punkte stechen hier heraus: Zum einen die Staffelung $1M und $4M, was den üblichen durchschnittlichen Seed/Series A Beträgen entspricht.

Spannend wird es, wenn man etwas tiefer in den Daten gräbt. Denn dort findet sich ein guter Anhaltspunkt, dass die ganze Diskussion über „es war noch nie so billig zu gründen" und die „neuen Regeln bei der VC-Finanzierung" am Ende ziemlich schnell von der Realität eingeholt wird.

Die Fakten dazu: Bereits 2005 hatte Youtube (siehe Seite 19) für 100 000 Videos am Tag Hostingkosten von $ 4000 im Monat (all-inklusiv). Selbst wenn man ein 100% Wachstum pro Monat mit der gleichen Kostenrelation annimmt, liegen die geschätzten Hosting/Hardwarekosten 10 Monate später bei $220TSD für 1 Mi. Views, also bei knappen 20 % der $1 Mio. Investition. Der Rest wurde vermutlich für Entwicklungskosten (vermutlich gleichbedeutend mit Gehältern) benötigt.
Die Schlussfolgerung: Auch wenn heute die ersten Schritte billig sind, und es leichter ist Seedmoney zu bekommen, gilt – es gibt zu jeder Zeit immer einen Engpassfaktor, der zu finanzieren (und teuer) ist. Der Erfolg eines Start-ups hängt also auch davon ab, diesen Faktor (günstiger) als Ressource zu bekommen. Das strategische Gedankenspiel, diesen zu identifizieren, ist also ein guter Start-up Rat.-

Zum zweiten der ROI. Angenommen Seoquia behielt in allen folgenden Runden die ca. 30% Quote bei, gab es hier ein ca. 480 Millionen Return für ein Investment unter $10M, wenn man den Kaufpreis von $ 1,6 Milliarden zu Grunde legt. Nicht schlecht für einen Zeitraum von 2005 – 2006.

Der Fokus bei der Bewertung der Marktchancen für das Startup

In dem Emailmemo wird kaum ein Wort über die tolle Technologie, die Strategie oder sonstige Eigenschaften der Firma verloren. Das scheint also in der Bewertung der Marktchance keine große Rolle zu spielen oder wird vorausgesetzt. Im Gegenteil – die Wettbewerber werden identifiziert und der Fokus ist auf „defensibility", also Wahrnehmung der Chance. Dies ist in der Tat ein häufiges Problem von Start-ups – der Markt ist da, aber es gibt keine Vorstellung vom adressierbaren Markt.

Folglich ist Wettbewerb auch als Nr.1 Risiko aufgeführt, gefolgt vom Umsatzmodell.
Bei der Darlegung des Umsatzmodells möchte ich die Kombination von bekannten Faktoren mit der herrschenden Unsicherheit in den Vordergrund stellen. In der Summe bleiben es Annahmen, aber die Wahrscheinlichkeit für gute Annahmen wird durch Analogien eingeschätzt.

Mit der gleichen Methodik kann man die eigenen Annahmen validieren

Alle Konsequenzen werden bedacht und Exits überlegt

Der interessanteste Punkt aus Sicht eines Beraters der viel mit Start-ups und neuen Geschäftsbereichen arbeitet ist aber das implizit präsentierte Absicherung und Exitalternative.

Natürlich herrscht Unsicherheit, wie die Monetarisierung funktioniert. Aber kauft Seoquia wirklich die Katze im Sack? In meinen Augen nicht, wenn man die Milestones auf Seite 19 anschaut. Für das Investment von $1 Mio erhält Seoquia im Erfolgsfall eine skalierbare Plattform und eine bestimmte Werbetechnologie, die –o Wunder - zu Google passt. Die $25 000 (oder mehr) an notwendigen Werbeinnahmen wirken dagegen relativ bedeutungslos.
In meiner Sicht ein klarer Indikator, dass auch in einem mittleren „Worst Case" Szenario die Investition nicht sofort ganz abzuschreiben ist, denn selbst auf einem langsameren Wachstumtrajektor steht die Firma.
Die Zahlen dazu: Selbst wenn Szenario 1 von Youtube damals nur um 50% erreicht worden wäre, wären am Ende 3 Mio Umsatz gestanden. Stellt man dem die Kostenbasis gegenüber wird klar, dass das Modell tragfähig sein könnte. Das stärkt den Investment Case und ist ein Indiz wirklich in die Skalierung zu investieren und nicht in Gründerfantasie.

Umsatz  3.000.000$
Kostenbasis  
Hosting 2.400.000 $
Team 300.000 $
andere Kosten 100.000 $
   
  2.800.000 $
 Gewinn  200.000 $

Als Gründer ist es ratsam sich ebenfalls solche Gedanken zu machen, um Alternativen zu haben, wenn Plan A schief geht, was fast immer der Fall ist.

Das Memo schließt mit einer klaren Empfehlung und dem schnellen Handlungsbedarf. Würde es in Europa doch auch so schnell gehen, denkt man sich beim Lesen, aber es könnte auch der Einzelfall sein.

Was versteckt sich noch in dem Dokument?

Die Liste der Punkte ist lang, deswegen die Empfehlung es ganz selber zu lesen.
Zwei Perlen: die Bandbreiten und Speicherberechnung, die sofort in meine Sammlung für SaaS-Startups Kalkulationen kommt
Die Präsentation von (vermutlich) Youtube selbst. Der Kerngedanke ist hier die Frage nach der Gewichtung beim Auftritt gegenüber Investoren - Glaubwürdigkeit durch die Präsentation selbst und den Hintergrund der Gründer.

Ein letzter Punkt für Geschäftsfeldentwicklung und Business Developer

Die Liste der Wettbewerber weißt nicht nur Start-ups auf. D.h. es hätte durchaus eine Möglichkeit gegeben diesen Markt mit eigenen Produkten anzugehen. Welche Eigenschaften hätte ein guter Business Developer oder Berater mitbringen müssen, um diese Chance zu sehen?


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A. Eggerz is entrepreneur and managing director of Iceventure.

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